Flüchtlinge in Bönebüttel. „Zur Untätigkeit verdammt zu sein, schlägt aufs Gemüt“

 

Ein guter Schritt in die richtige Richtung, meinten Unternehmer, Flüchtlinge, Helfer und Gemeindemitglieder, die einer Einladung der Bönebütteler Unternehmer (UIB) zu einer Kennenlernrunde gefolgt waren.

Ein guter Schritt in die richtige Richtung, meinten Unternehmer, Flüchtlinge, Helfer und Gemeindemitglieder, die einer Einladung der Bönebütteler Unternehmer (UIB) zu einer Kennenlernrunde gefolgt waren

Bönebüttel / November 2015. Wie der Alltag der Flüchtlinge in Bönebüttel und Wege in die Arbeitswelt sinnvoll unterstützt werden können, das war im November Thema einer Veranstaltung des Vereins Unternehmen in Bönebüttel. 45 Teilnehmer waren der Einladung in den Gemeinderaum an der Martinskapelle gefolgt. In erster Linie ging es Unternehmern, Flüchtlingen, Helfern und Gemeindemitglieder darum, sich kennen zu lernen und Anstöße für Firmen und Flüchtlinge zu geben.

Der Deutschunterricht mit Koordinatorin Gisela Kummerfeld und ihren 14 Mitstreitern ist wie jeden Morgen um 11.00 Uhr vorbei. Zwei Stunden, die voranbringen und die Langeweile unterbrechen, sagen die Bönebütteler Flüchtlinge. Auch die Bänke der Pfadfinder sind auf der Suche nach Ablenkung und sinnvoller Arbeit längst gestrichen. Die Kinder dürfen zur Schule gehen, lernen Sprache, Mathematik und mehr, haben ein geregeltes Leben mit Aufgaben und Freizeit, sagen die Eltern. Ihnen selbst fällt mit der Zeit die Decke auf den Kopf.

 

Deswegen wollten es die Bönebütteler Unternehmer einmal genau wissen, wie die Bedingungen für Arbeit, Praktika und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit aussehen. „Es muss weitergehen“, sagte Pastorin und Gastgeberin Katja Engelhard in der Kennenlernrunde im Gemeindehaus der Martinskapelle. „Viel mehr als eine Gelegenheit zum Kennenlernen kann ein Abend allein allerdings nicht sein“, meinte UIB-Sprecherin Angela Humme. Immerhin haben viele der Bönebütteler Asylbewerber und Asylberechtigten die rechtliche Voraussetzung für Hospitationen, Praktika oder auch für eine Ausbildung, berichtete Humme.

"Die Sprache der zuweisenden Behörden wird ernster", meinte Bönebüttels Bürgermeister Udo Runow zur Frage nach den Zahlen für kommende Flüchtlingszuweisungen

„Die Sprache der zuweisenden Behörden wird ernster“, meinte Bönebüttels Bürgermeister Udo Runow zur Frage nach den Zahlen für kommende Flüchtlingszuweisungen

 

Sprache als Fundament für eine Zukunft in Deutschland

Letztlich bilde Sprache die entscheidende Grundlage über eine erfolgreiche Integration und eine lohnende Zukunft der Menschen aus Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern. Auch Verständnis gehöre dazu. Deswegen sei es wichtig, sich in die Augen zu sehen und sich kennenzulernen. Nur so sei eine erfolgreiche Zusammenarbeit machbar und letztlich auch eine gesunde Basis für Integration zu schaffen. Ein guter Anfang hieß es aus der gemischten Gesprächsrunde. Immerhin konnten sich Unternehmer wie der Metallbauer Thilo Banck, oder die Bönebütteler Landwirte, wie Dirk Kock-Rohwer, Joachim Loop und Rolf Klein vorstellen, über Schnupperpraktika und Fördermöglichkeiten nachzudenken.

Viele der Zugereisten sind qualifiziert

Die Palette der Berufe aus dem Kreis der Flüchtlinge reicht weit. Banker, Bauingenieur, Systemadministratorin, Elektroingenieurin, Lkw-Fahrer, Metallarbeiter und Schweißer oder Zahntechniker, viele Berufsgruppen sind vertreten. Der wichtigste Schlüssel bleibe die Sprache. Deswegen können selbst Praktika unendlich wertvoll sein und sei es nur, um die Deutschkenntnisse im Alltag zu verbessern, meinte Biobauer Dirk Kock-Rohwer. Informationen über den Zugang von Flüchtlingen und Asylanten zum Arbeitsmarkt oder Praktika gibt es bei der Arbeitsagentur unter: www.arbeitsagentur.de/unternehmen, Thema Zusatzinformationen. Unterstützung, Kontakte zur Arbeitsagentur oder Ausländerbehörde, gibt es auch über den Verein der Unternehmer, Ansprechpartnerin Angela Humme oder die Flüchtlingshilfe der Gemeinde mit den Ansprechpartnern Udo Runow (Bürgermeister), Katja Engelhard (Pastorin, Kita, Seelsorge), Tammo Zimmermann (Kommune, Beschaffung), Gisela Kummerfeld (Deutschkurs für Erwachsene) und Koordinatorin Beate Jentzen.